Joachim Gauck. Bundespräsident 2.0.

Allein bei Facebook haben sich bereits knapp 34.000 Fans auf den Kandidaten von SPD und Grünen festgelegt. Sie stellen jedes Video mit Gauck online, verabreden sich zu „Montagsdemonstrationen“ und veröffentlichen jede noch so beiläufige Äußerung von Gauck. Die Facebook-Fanseite mutet fast schon wie die zentrale und offizielle Kampagnen-Seite für Gauck an. Nur eben ohne Parteien-Logo. Gegenkandidat Christian Wulff schafft es mit seiner Seite nur auf rund 3.600 Anhänger.

Auch bei Twitter läuft der inoffizielle Wahlkampf für Gauck auf Hochtouren. Unter den Begriffen „mygauck“ und „gauck“ demonstrieren die Nutzer mit tausenden Äußerungen breiten gesellschaftlichen Rückhalt für den 70-Jährigen. Und stellen dabei die brisante Frage, ob die Bundesversammlung gegen die Mehrheit des Volkes entscheiden und Wulff wählen kann. Ebenfalls bei Twitter kann man sein Profilbild in ein virtuelles Mosaik hochladen, das das Portrait von Gauck zeigt.

Daneben gibt es mehrere Internetseiten, die die Bundesversammlung direkt zur Wahl des SPD-Grünen-Kandidaten auffordern oder zu Demonstrationen für Gauck einladen. Wer möchte, kann auch eine Petition an den Deutschen Bundestag unterschreiben. Wohl eher symbolisch gemeint, aber durchaus mit gewisser öffentlicher Schlagkraft. Und natürlich trommeln auch unzählige Blogs für Gauck – jedes für sich, aber alle vernetzt.

Neu an dieser Bewegung ist, dass nicht ausdrücklich gegen, sondern für etwas Stimmung gemacht wird. Protest lässt sich verhältnismäßig schnell organisieren – wie der geballte Community-Widerstand gegen „Zensursula“ und die Debatte um ihre Bundespräsidenten-Kandidatur. Jetzt versucht die Internet-Gemeinde, pro-aktiv Einfluss auf die Bundesversammlung zu nehmen. Zwar haben solche Netz-Aktivitäten in Deutschland (noch) nicht den Stellenwert wie in den USA. Dort werden vor allem Blogs von Journalisten nicht nur gelesen, sondern auch für die eigene Berichterstattung verwertet. Aber auch in Deutschland beschnuppern sich Social Media und die klassischen Medien zwar argwöhnisch aber immer interessierter. Hier gewinnen Blogs und soziale Netzwerke an medialer Bedeutung.

Selbst wenn der Bundespräsident nicht vom Volk gewählt wird, könnte diese Internet-Bewegung pro Gauck gewaltige Wirkung haben. In der Bundesversammlung könnten sich einige Wahlleute vom geballten 2.0-Wahlkampf für Gauck noch umstimmen lassen.

Empfiehl es weiter

  • 0
  • 2
  • 1

21. Juni 2010 von Dennis
Kategorien: Politik, vorbildlich | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert (E-Mail-Adresse wird nie veröffentlicht)

*