Jetzt aber mal Sendepause!

Die deutsche Medienlandschaft ist ein Dorf. Die Zeitung mit der nackten Frau vorne drauf gibt die Themen vor, in der Glotze läuft abends praktisch nur noch Seichtes. Und dann ist da noch der Medien-Pranger. An den werden nicht etwa schlechte Programme gestellt, sondern in nerviger Regelmäßigkeit ARD und ZDF, weil sie Werbung zulassen. Und das, obwohl sie Gebühren eintreiben. Das macht die neuerliche Forderung nach einem öffentlich-rechtlichen Werbeverbot aber nicht weniger abwegig.

Werbung bei ARD und ZDF ist gut für den Gebührenzahler

Ohne Werbung wäre die Rundfunkgebühr vermutlich viel höher. Wenn Werbung verboten wird, muss die daraus entstehende Finanzlücke geschlossen werden, damit der ÖR seinen Aufgaben im bisherigen Maße nachkommen kann. Laut ARD liegt die jährliche Entlastung der Gebühr durch Werbung bei rund 450 Millionen Euro. Das ist ordentlich.

Werbung bei ARD und ZDF ist gut für die Berichterstattung

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet hochwertige und regionale Information, Kultur und Sportberichterstattung. Dieses Maß an journalistischer Breite und Tiefe findet sich bei den Privaten nicht. Weil es ihnen einfach zu teuer ist, trotz Werbeeinnahmen. Weil sie nur auf Quote schielen. Gebühren und Werbung finanzieren gute Berichterstattung.

Werbung bei ARD und ZDF ist gut für die Werbetreibenden

Unternehmen WOLLEN in den öffentlich-rechtlichen Sendern werben. Sie erreichen je nach Medium fast die Hälfte der deutschen Mediennutzer über die ÖR. Diese Zielgruppe wäre mit einem Verbot nicht mehr erreichbar. Zumindest nicht mehr wie bisher. Und: Werbung, die nicht bei ARD und ZDF geschaltet wird, fließt nicht automatisch an die Privaten.

Werbung bei ARD und ZDF ist gut für die Konsumenten

Werbung ist Verbraucherinformation, sie informiert über Produkte und Entwicklungen. Sie zeigt, was schön und nützlich sein kann. So sehr Werbung mich persönlich nervt: Sie hat ihre Berechtigung. Diesen Service würde man den Hören und Zuschauern der Öffentlich-Rechtlichen vorenthalten, statt sie einfach selbst entscheiden zu lassen, was sie anspricht.

Werbung bei ARD und ZDF ist Werbung auf Sparflamme

Aggressive Werbung findet nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt, sondern bei den Privaten. Produktplatzierungen, überlange Werbeblöcke, ständig unterbrochene Sendungen – so sieht Werbung bei den Privaten aus. Sie haben rein rechtlich schon mehr Möglichkeiten. Leider. Denn das nervt – ganz im Gegensatz zur homöopathisch dosierten ÖR-Werbung.

Disclaimer: Ich arbeite unter anderem als Autor innerhalb des ARD-Hörfunks. Dieser Beitrag gibt meine Meinung zum Thema wider, nicht die der Sender, für die ich arbeite.

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04. Juli 2011 von Dennis
Kategorien: Medien | Schreibe einen Kommentar

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