Dumm ist die Deutsche Bahn ja nicht
Vielleicht konnte die Bahn die Kritik an ihrer Unpünktlichkeit ja selbst nicht mehr hören. Zuletzt ging ja sogar die Politik auf die Barrikaden. Da werden jetzt also ein paar Zahlen veröffentlicht, die intern sowieso schon gesammelt und ausgewertet wurden. Umständlich ist das gewiss nicht für die Bahn und deshalb auch keine besondere Leistung. Aber es vermittelt eben das Gefühl, dass die Bahn das Problem ernst nimmt und mit offenen Karten spielt. Nicht mutig, eher Image-Politur.
Ähnlich wie beim Twitter-Kanal der Bahn, bei dem Probleme besprochen aber selten gelöst werden können, wird sich auch durch die neue Statistik nichts ändern. Die Züge bleiben per Kunden-Definition verspätet. Und die Definition der Bahn ist eh eine andere. Da ist das mit den Verspätungen gar nicht so wild. Am Ende entscheidet die Bahn, wann ein Zug verspätet ist, und veröffentlicht einen schwammigen Durchschnittswert. Der Kunde, dessen Mobilität, Termine und Befindlichkeiten im individuellen Fall durcheinandergewirbelt werden, bleibt auf/an der Strecke.
Eines sollte klar sein: Die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn ist nur ein Zahlenwerk, keine Pünktlichkeitsoffensive. Sie sorgt nicht für mehr Verlässlichkeit oder dafür, dass zahlende Kunden eine Dienstleistung wie vorgesehen in Anspruch nehmen können. Sie bietet dem Kunden keine Optionen. Sie soll lediglich Offenheit vorgaukeln, nörgelnde Kunden ruhigstellen, Kritik kleinhalten. Mehr nicht.