Facebook, Google+ und die Deutungsprobleme
Facebook ist noch da. Trotz Google+ und seinem faszinierenden Wachstum. Große Migrationsströme sind noch nicht auszumachen, eine allmähliche Sättigung bei Facebook schon. Eine gängige Entwicklung im Wettbewerb eben, mit der üblichen Diversifizierung und Differenzierung. Facebook versucht es mit einer radikal geänderten Struktur und erklärt das mal wieder nur unzureichend, was mal wieder Kritik nach sich zieht.
Zumindest auf mich stark beruhigend wirkt die derzeitige Diskussion über Facebook, Google+ und darüber, wo man was und warum denn posten sollte, wie sich das gegenseitig bedingt und auf die Netzwerke auswirkt. Langsam wird es fade, weil wir in Sachen Google+ noch am Beginn einer Entwicklung stehen. Weil Google+ eben noch nicht die kritische Masse erreicht hat. Weil das zurück ist, was wir alle schon für tot erklärt haben: ein Hype, ein Phänomen. Aber eben nicht mehr.
Bei Google+ geht es fachlicher zu, sagen viele. Obwohl bei ihnen entsprechende Inhalte auch schon bei Facebook im Vordergrund standen. Das Netzwerk hat sich geändert, aber Paradigmenwechsel sieht doch anders aus. Den gemeinen Nutzer interessiert es aber weniger, ob er bei Facebook eher privat und bei Google+ eher geschäftlich, offiziell, fachlich, was auch immer (und dann un-privat?) unterwegs ist. Er testet, probiert, spielt herum. Ganz ohne Diskussion, Sinnieren und Zerreden.
Ist die derzeitige Diskussion um Google+ und sein Nutzen also doch nur so etwas wie eine digitale Selbsthilfegruppe mit Beschäftigungstherapie? Nach dieser Selbstfindungsphase ist es spannend zu sehen, wie viele der einst überzeugten Facebook-Nutzer in letzter Konsequenz alle nicht klar privaten Kontakte löschen. Das wäre nur konsequent. Die Reduktion auf das Persönliche und Private würde ohnehin jeden professionellen, nicht privaten Kontakt in die Flucht schlagen.
Was bleibt am Ende? Google+ ist ein zusätzliches Netzwerk mit anderen Möglichkeiten. Mehr nicht. Wieso sollten wir auf Facebook verzichten oder uns einschränken, wo wir bisher mit voller Überzeugung dabei waren? Hat Google+ uns binnen weniger Monate reifer, schlauer oder ambitionierter gemacht? Und was sagt das über unsere Überzeugungen aus? Klar ist doch: Konkurrenz führt nicht automatisch zu Verdrängung und Ausverkauf, sondern bereichert. Auch ganz ohne Grübelei.
1 Kommentar
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Da bin ich zu kurz bei Google+ dabei, um eine Aussage über die Qualität der Posts zu machen. Was mir allerdings auffällt ist die Tatsache, dass die Kommentare mehr in die Tiefe und Länge gehen und weniger abgenickt oder kritisiert wird wie bei Facebook. Vielleicht hängt das mit der Möglichkeit längerer Kommentare zusammen, wobei das ja bei Facebook jetzt auch kommen soll. Für mich ist es eigentlich auch egal, wo man wie postet. Hauptsache ist doch, wo sich die Freunde aufhalten, oder?