Destruktive Pressearbeit – oder: Wie Sie Journalisten auf Distanz halten

Sie sind ein Schrecken aus der Vergangenheit. Ein Übel, mit dem man sich als PR-Mensch lange Zeit rumschlagen musste. Jetzt, wo die ganze Welt über die sozialen Netzwerke erreichbar ist, können wir sie ignorieren, die Vertreter der alten Medien. Wir können uns die nervige Pressearbeit endlich schenken. 10 Tipps, wie Sie weitere lästige Anfragen der einstigen Gatekeeper unterbinden.

1. Journalisten suchen neue und interessante Aspekte. Liefern Sie also genau das… nicht. Hauen Sie eine Pressemitteilung nach der anderen raus, verbreiten Sie Belangloses und Nonsens, garniert mit schamloser Eigenwerbung: Einer Ihrer Kollegen hatte vor einer Woche Jubiläum? Ihr Produkt, das nur die Industrie nutzt, kann etwas, das nur die Industrie versteht? Feuern Sie aus allen Rohren: E-Mail, Fax, Brief, damit die Presse auch mitbekommt, dass Sie nichts zu bieten haben.

2. Wenn Sie Pressemitteilungen mailen, lassen Sie die Empfänger wissen, dass da weder Herzblut noch Professionalität drin steckt. Löschen Sie interne Anmerkungen, Korrekturschleifen und Freigaben nicht aus dem Text der Mail raus. Bei Mustermitteilungen (unbedingt als PDF-Anhang) lassen Sie die Platzhalter für Datum und Ansprechpartner leer – oder mit den XXX, die dort stehen. Eine Außenwirkung, die sich gewaschen hat.

3. Journalisten haben keine Zeit. Sie schon. Nehmen Sie jede Anfrage eines Journalisten freundlich an, machen Sie aber unmissverständlich klar, dass Sie das erst intern besprechen, abklären oder weiterleiten müssen. Stöhnen Sie laut, wenn der Journalist eine Antwort noch in den nächsten Stunden bräuchte…

4. Sie wollen sich einfach nicht zu einem bestimmten Thema äußern, aber die Presse macht das, was sie so unsympathisch macht: Sie bohrt nach und nervt damit gewaltig? Machen Sie klar, dass es Dinge gibt, die die Presse nicht zu interessieren hat. Zeigen Sie Ihre kalte Schulter. Bei besonders hartnäckigen Vertretern der schreibenden und sendenden Zunft drohen Sie unverhohlen mit dem Anwalt oder damit, keine Werbung mehr zu buchen.

5. Journalisten brauchen einen Ansprechpartner. Den finden sie auf der Website eines Unternehmens… aber nicht auf der Ihres Unternehmens. Denn einen Pressebereich haben Sie nicht. Und falls Sie „im Haus unterwegs“ sind: Stellen Sie Ihr Telefon nicht auf das von Kollegen um. Wenn’s wichtig ist, wird sich der Anrufer noch mal melden.

6. Falls Sie doch einen Pressebereich haben (warum auch immer), bauen Sie Hürden ein. Nicht jeder soll dort einfach so Ihre extrem wichtigen Pressemitteilungen lesen können. Schirmen Sie den Pressebereich mit einem Zugangssystem ab. Wer rein will, muss erst ein Kennwort anfordern. Drinnen gibt es viele Pressemitteilungen. Aber nicht die neuesten, denn die sind noch nicht eingestellt.

7. Als Verband zeigen Sie, wie wunderbar dezentral Sie organisiert sind. Verweisen Sie Journalisten an einen Landesverband. Auch, wenn der dortige Presseverantwortliche ehrenamtlich tätig ist oder gerade seinem Hauptberuf nachgeht. Und auch gar nicht genau weiß, was die Presse jetzt auf einmal von ihm will. Als Landesverband verweisen Sie zurück an den Bundesverband. Eine schöne Schleife.

8. Sie haben das Pech, und ein Journalist möchte regelmäßig Pressemitteilungen oder eine “kurze Info”, wenn was passiert ist… Sie haben aber partout keine Lust, so etwas zusammenzuschreiben oder einen Verteiler zu pflegen? Zeigen Sie, dass die Presse nichts Besonderes ist, und verweisen Sie auf den Newsletter (den für Kunden). Oder auf die Website, wo hin und wieder was interessantes steht. Oder auf das Facebook-Profil Ihres Unternehmens, wo Sie – natürlich nur so zum Spaß und wenn Sie gerade Zeit haben – mal was Aktuelles posten.

9. Kennen Sie Nachfass-Aktionen? Wenn ja: nutzen, und zwar intensiv. Wenn nicht: Es geht darum, Journalisten zuerst irrelevante Informationen zu schicken, die sie nicht brauchen, nicht verstehen und nicht wollen, und dann telefonisch in der Redaktion nachzufragen, ob die Presseinfo angekommen ist. In einem zweiten Anruf klären Sie, wann das veröffentlicht wurde.

10. Eine saubere und schöne Sprache? Sache der Presse, nicht Ihre! Sparen Sie nicht mit Denglisch, Fach-Kauderwelsch, abgedroschenen Phrasen, Füllwörtern, Abkürzungen und Produktbezeichnungen, die nur Sie verstehen. Der Journalist kann ja googeln oder bei Wikipedia nachschauen.

Alles klar?

21. November 2011 von Dennis
Kategorien: Medien, PR & Marken | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Ganz schön fahrlässig von dir, hier noch solche Tipps zu geben… ;-)
    Was passiert bloß, wenn die, die bisher noch nicht alles falsch gemacht haben, deine Tipps befolgen? Dann wird’s für Journalisten ja noch anstrengender!

    • Dominik, wer noch nicht alles falsch macht, kann noch lernen: Wie man es besser macht oder eben komplett falsch. Letzteren ist dann auch nicht mehr zu helfen. Und Journalisten wie Du müssen ja auch unterhalten werden… mit lustig-abstrusen Pressemitteilungen, die Du ja bestimmt schon kennst…

  2. Sehr treffend beschrieben! :)

  3. Charmanter Artikel – danke! Werde mich bemühen, alle Punkte beim Aufbau unserer eigenen PR sauber abzuarbeiten ;) (nein, nicht wirklich!)

    Danke und schöne Grüsse aus Bonn!

  4. Pingback: Lesenswertes aus der Woche 48: Lästige Pressearbeit, nervige Adventskalender und trollende Schneemänner | warndorf.KOMMUNIKATION

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