Was Christian Wulff und Adolf Sauerland verbindet
Die Bürger von Duisburg haben ihren Oberbürgermeister aus dem Amt gejagt. Anderthalb Jahre lang war es Sauerland nicht gelungen, auch nur einen Funken politische Verantwortung für das Loveparade-Unglück zu übernehmen. Für ganz offensichtliche Planungsfehler und das unerträglich pauschale Abstreiten etwaiger Versäumnisse.
Die Katastrophe ist einmalig. Sicher. Sie ist mit nichts zu vergleichen. Wie auch. Und trotzdem: Das, was nach dem Unglück passierte und vor allem nicht passierte, erinnert stark an die Affäre Wulff. Er sollte deshalb genau nach Duisburg schauen. Auch er klammert sich an ein Amt, das er nicht mehr glaubwürdig ausfüllen kann. So, wie die Bürger es erwarten dürfen. Mit Ehrlichkeit und Transparenz, auch und gerade wenn wie auch immer geartete Vorwürfe im Raum stehen.
Die miserablen Sympathiewerte für Wulff sind keine Folge dieser Vorwürfe, sondern eine Folge seiner Reaktion darauf. Mit jeder seltenen Erklärung hat Sauerland es schlimmer gemacht. Und mit jeder seltenen Erklärung hat Wulff die Affäre nicht nur nicht beenden können, sondern neue Fragen und Ungereimtheiten aufgeworfen. Der ungewollte Sauerland hat es verpasst, freiwillig und mit Würde aus dem Amt auszuscheiden. Wulff hat noch die Chance, selbstbestimmt zu gehen.
Wulff aber zieht sich auf Begrifflichkeiten zurück und darauf, dass ihm rechtlich nichts vorgeworfen werden kann. Dass er rechtlich nichts falsch gemacht hat. Er ignoriert den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Wie Sauerland denkt Wulff, die Sache noch aussitzen zu können. Bei Sauerland kam es – für ihn überraschend – anders. Zuversicht und Selbstvertrauen sind gut. Aber oft trügerisch.
Kurz nach der Loveparade-Katastrophe hatte Wulff sein Wertesystem noch unter Beweis gestellt. Er legte Sauerland den Rücktritt nahe, weil „dessen Schuld nicht erwiesen“ sei, es aber „auch eine politische Verantwortung“ gebe. Tja.